Peutz-Jeghers Syndrome – Definition

Das Peutz-Jeghers-Syndrom (PJS, OMIM #175200) ist eine genetische Erkrankung, die auf einer heterozygoten Mutation des STK11-Gens beruht. Es ist charakterisiert durch die Assoziation von gastrointestinalen Polypen, mukokutanen Pigmentierungen und einer Prädisposition für maligne Erkrankungen.

Synonyme:

PJS

Gen:

STK11

Gen­produkte:

STK11 (Serin/Threonin-Proteinkinase)

Funktion:

Tumorsuppressor

  • Apoptose durch Interaktion mit p53-Signalweg
  • Aktivierung von TSC2 führt zur Akkumulation von mTOR

Erb­gang:

autosomal-dominant, etwa 25% de novo Mutationen

Prävalenz:

unbekannt

Genotyp-Phänotyp-Korrelation:

nicht eindeutig

Penetranz:

Bei allen Patienten mit STK11-Mutation wurden bisher klinische Manifestationen gefunden.

Übersicht der Kapitel auf dieser Seite:

  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • Peutz-Jeghers Syndrome – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbst­hilfe­gruppen) und weitere Informationen
  • Klinische Präsentation

  • Besonderheiten bei der Behandlung

  • Empfehlungen zur Früherkennung bei Ihren Patient:innen

  • Weitere Informationen (z.B. Links von Selbsthilfegruppen)

Peutz-Jeghers Syndrome – Diagnosestellung

Verdachtsdiagnose

Der Verdacht auf ein Peutz-Jeghers-Syndrom besteht bei folgenden Befunden:

  • ≥2 intestinale Polypen vom PJS-Typ (hamartomatöse, intestinale Polypen)
  • Mukokutane Pigmentflecken
  • Gynäkomastie bei Männern als Resultat von Östrogen-produzierenden Sertoli-Zell-Hodentumoren
  • Z.n. Invagination, v.a. bei Kindern oder jungen Erwachsenen

Genetische Diagnostik

Die Diagnose „Peutz-Jeghers-Syndrom“ wird gesichert durch den Nachweis einer heterozygoten Mutation des STK11-Gens durch Sequenzanalyse und ggf. darauffolgende Deletions-/Duplikationsanalyse. Auch der Einsatz von Panel-Untersuchungen, in denen mehrere Gene erfasst werden, sowie eine Exom- oder Genomsequenzierung kann sinnvoll sein.

Diagnosekriterien

Die Diagnose „Peutz-Jeghers-Syndrom“ gilt als gesichert bei dem genetischen Nachweis einer heterozygoten Mutation des STK11-Gens oder einem der folgenden Befunde:

  • ≥2 histologisch gesicherte harmartomatöse Polypen vom PJS-Typ
  • Polypen jeglicher Anzahl vom PJS-Typ bei einer Person mit mindestens einem nahen Verwandten mit PJS
  • Charakteristische mukokutane Pigmentierung bei einer Person mit mindestens einem nahen Verwandten mit PJS
  • Polypen jeglicher Anzahl vom PJS-Typ bei einer Person mit charakteristischer mukokutaner Pigmentierung

Differentialdiagnosen

  • Juveniles Polyposis-Syndrom (JPS)
  • Hereditary mixed polyposis syndrome
  • PTEN-Hamartom-Tumor-Syndrom, auch Cowden-Syndrom
  • Unexplained hamartomatous mixed polyposis
  • Carney-Komplex
  • Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
  • Hereditäres non-polypöses kolorektales Karzinom (HNPCC), auch Lynch-Syndrom

Klinische Präsentation

Charakteristisch für das Peutz-Jeghers-Syndrom ist die Assoziation von gastrointestinalen Polypen und mukokutaner Pigmentierung. Das Risiko für gastrointestinale und extraintestinale Malignitäten ist signifikant erhöht.

Polypen

Polypen können im gesamten Gastrointestinaltrakt auftreten, kommen aber am häufigsten im Dünndarm (größte Dichte im Jejunum, gefolgt vom Ileum und Duodenum) vor. Auch außerhalb des Gastrointestinaltraktes können Polypen auftreten (Nierenbecken, Harnblase, Ureteren, Lunge, Nase und Gallenblase). Das maligne Potential ist bisher unbekannt. Durch die Polypen können Komplikationen wie Darmobstruktionen, ein Rektalprolaps oder schwere gastrointestinale Blutungen verursacht werden.

Das durchschnittliche Alter bei Auftreten der ersten gastrointestinalen Symptome liegt bei 10 Jahren, die erste Polypektomie wird durchschnittlich im Alter von 13 Jahren durchgeführt.

Mukokutane Pigmentierung

Die charakteristischen melanozytischen Makulae bestehen selten bereits bei Geburt und bilden sich meist bis zum 5. Lebensjahr aus. In der Pubertät und im Erwachsenenalter verblassen die Pigmentierungen. Sie haben einen dunkelblauen bis dunkelbraunen Aspekt und treten bevorzugt perioral, an Augen und Nasenlöchern, an der Wangenschleimhaut und in der Perianalregion auf. Hyperpigmentierte Makulae an den Fingern sind ebenfalls häufig. Mit melanozytischen Makulae ist kein Malignitätsrisiko assoziiert.

Keimdrüsentumoren

Weibliche PJS-Patientinnen haben ein erhöhtes Risiko für Keimstrangtumore mit annulären Tubuli (SCTAT) sowie muzinöse Tumore der Ovarien und Tuben. Diese treten in der Regel bilateral auf und nehmen einen benignen Verlauf.

Männliche PJS-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für großzellig kalzifizierende Sertoli-Zell-Tumore (LCST) der Hoden. Dabei handelt es sich um Tumore, die Östrogen freisetzen können und in der Regel keine maligne Transformation zeigen.

Malignitäten

Manifestationsort Risiko Manifestationsalter
Kolorektal 39% 42 – 46 Jahre
Magen 29% 30-40 Jahre
Dünndarm 13% 37-42 Jahre
Mamma 32% – 54% 37-59 Jahre
Ovar (meist SCTAT) 21% 28 Jahre
Zervix (Adenoma malignum) 10% 34-40 Jahre
Uterus 9% 43 Jahre
Pankreas 11% – 36% 41-52 Jahre
Hoden (Sertoli-Zell-Tumor) 9% 6-9 Jahre
Lunge 7% – 17% 47 Jahre

Besonderheiten bei der Behandlung

Polypen mit einer Größe >1cm sollten prophylaktisch entfernt werden, um Folgekomplikationen zu verhindern und das Risiko einer malignen Transformation zu verringern.

Maligne Erkrankungen sollten nach den entsprechenden Protokollen therapiert werden.

Diagnose Peutz-Jeghers Syndrome. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose ist es ratsam, die Weiterbehandlung von betroffenen Patient:innen durch eine:n Spezialist:in für dieses Krebsprädispositionssyndrom durchführen zu lassen. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem finden Sie am Ende dieser Seite noch ein paar weiterführende Informationen wie z.B. die Links von Selbsthilfegruppen.

Diagnose Peutz-Jeghers Syndrome. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose ist es ratsam, die Weiterbehandlung von betroffenen Patient:innen durch eine:n Spezialist:in für dieses Krebsprädispositionssyndrom durchführen zu lassen. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem finden Sie am Ende dieser Seite noch ein paar weiterführende Informationen wie z.B. die Links von Selbsthilfegruppen.

Empfehlungen zur Früherkennung bei Ihren Patient:innen

Gastrointestinaltrakt

  • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, Videokapselendoskopie oder Magnetresonanzenterographie und Koloskopie mit 8 Jahren (oder früher bei Symptomatik)
    • Polypen vorhanden -> Wiederholung alle 3 Jahre
    • Keine Polypen -> Wiederholung mit 18 Jahren

Keimdrüsen, Mamma, Ovarien, Zervix, Uterus

  • Jährliche klinische Untersuchung insbesondere mit der Frage nach Gynäkomastie oder Raumforderungen des Hodens bei Jungen sowie vorzeitiger Pubertät bei Mädchen ab Geburt bis zum Jugendalter
  • Jährliches Brustkrebsscreening ab 25 Jahren
  • Jährliche gynäkologische Untersuchung mit transvaginalem Ultraschall und CA 125 im Serum ab 18-20 Jahren

Pankreas

  • Alle 1-2 Jahre MRCP oder endoskopische Sonographie ab 30 Jahren

Peutz-Jeghers Syndrome – weitere Informationen

Offene klinische Studien / Register