"Rubinstein-Taybi Syndrome" – was ist das?

Das Rubinstein-Taybi-Syndrom (RSTS) ist eine Erkrankung, die auf Mutationen, also genetischen Veränderungen im CREBBP– oder EP300-Gen beruht. Es ist gekennzeichnet durch eine charakteristische Gestalt des Gesichts, breite und oft abgewinkelte Daumen und große Zehen, Kleinwuchs und intellektuelle Beeinträchtigung.

Übersicht der Kapitel auf dieser Seite:

  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • Rubinstein-Taybi Syndrome – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbst­hilfe­gruppen) und weitere Informationen
  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • Rubinstein-Taybi Syndrome – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbsthilfegruppen) und weitere Informationen

Wie wird die Diagnose "Rubinstein-Taybi Syndrome" gestellt?

Klinische Diagnose

Die Diagnose kann in der Regel durch das Auftreten bestimmter klinischer Befunde gestellt werden. Zu diesen Befunden gehören folgende Auffälligkeiten:

  • Charakteristische Gestalt des Gesichts
    • Abfallende Lidspalten
    • Tiefer Nasensteg
    • Hoher Gaumen
    • Grimassierendes Lachen
    • Auswüchse an den Zähnen, meist an der Innenseite der bleibenden oberen Schneidezähne
  • Breite, oft abgewinkelte Daumen, breite Finger und Zehen
  • Hodenhochstand bei männlichen RSTS-Patienten
  • Veränderungen des Urogenitaltraktes
  • Angeborene Herzerkrankungen
  • Kleinwuchs im Erwachsenenalter
  • Übergewicht im Kindes- und Jugendalter
  • Intellektuelle Beeinträchtigung (IQ zwischen 25 und 79)

Genetische Diagnostik

Die Diagnose „Rubinstein-Taybi-Syndrom“ kann zusätzlich durch den Nachweis einer Mutation, also genetischen Veränderung im CREBBP– oder EP300-Gen, gesichert werden.

Wie hoch ist das Krebsrisiko?

Bisher wurden diverse gutartige und bösartige Tumore verschiedener Organe (z.B. Leber, Nervensystem, Hoden/Eierstöcke, Haut, Blut) im Rahmen eines Rubinstein-Taybi-Syndroms beschrieben. Das Risiko für Krebserkrankungen ist jedoch nur moderat erhöht.

In der Regel fallen Kinder bei Geburt oder im Säuglingsalter aufgrund der markanten Gestalt des Gesichts und der charakteristischen Veränderungen an Händen und Füßen auf. Im Säuglings- und frühen Kindesalter können Probleme mit der Atmung, Fütterungsprobleme, mangelnde Gewichtszunahme, häufige Infektionen und schwere Verstopfungen auftreten.

Die Symptome im Rahmen eines Rubinstein-Taybi-Syndroms können verschiedene Organsysteme und Bereiche betreffen. Im Folgenden sind diese Auffälligkeiten und Veränderungen dargestellt:

Bereich Symptome
Gesicht Abfallende Lidspalten, tiefer Nasensteg, hoher Gaumen, grimassierendes Lachen
Nervensystem Auffälligkeiten sowie strukturelle Veränderungen im Bereich des Halses und Kopfes, was beispielsweise eine Einengung des Rückenmarks zur Folge haben kann
Auge Schielen, Kurz- oder Weitsichtigkeit, herabhängendes Augenlid, Verengung des Tränennasenganges, grauer Star, Spaltbildung im Auge, Augenzittern, grüner Star, Veränderungen der Hornhaut und Netzhautdefekte
Herz Bei etwa einem Drittel der RSTS-Patienten besteht eine angeborene Herzerkrankung.
Urogenitaltrakt Veränderungen der Nieren sind sehr häufig.
Bei fast allen männlichen RSTS-Patienten liegt ein Hodenhochstand vor.
Skelett Breite, oft abgewinkelte Daumen und Zehen, breite Finger, verschobene Kniescheiben, laxe Gelenke, Verkrümmung der Wirbelsäule, Absterben von Knochengewebe im Hüftkopf (Morbus Perthes), Abgleiten des Hüftkopfes und Veränderungen der Halswirbelsäule
Schlafapnoe Obstruktive Schlafapnoe (periodische Atemstillstände im Schlaf) bedingt durch die Kombination von engem Gaumen, kleinem Kiefer, muskulärer Schwäche, Übergewicht und leicht kollabierender Kehlkopfwand
Haut Kleine Gewebswucherungen und gutartige, harte, von den Haarwurzeln ausgehende Hauttumore
Zähne Engstand der Zähne, Malokklusion (Zähne des Ober- und Unterkiefers stehen nicht richtig zueinander), Karies, Zahnunter- oder Zahnüberzahl, Geburtszähne und Auswüchse an den Zähnen, die meist an der Innenseite der bleibenden oberen Schneidezähne vorkommen
Wachstum Vorgeburtlich normales Wachstum. Im Säuglingsalter fallen die Parameter für Größe, Gewicht und Kopfumfang unter die 5. Perzentile. Die durchschnittliche Körpergröße liegt bei Männern bei 153 cm und bei Frauen bei 147 cm. Jungen werden oft im Kindesalter übergewichtig, Mädchen im Jugendalter.
Intellekt Entwicklungsverzögerung im motorischen, psychozozialen und sprachlichen Bereich. Der IQ liegt zwischen 25 und 79.
Verhalten Kurze Aufmerksamkeitsspanne, niedrige Toleranz hinsichtlich Lärm und Menschenansammlungen, Impulsivität und Launenhaftigkeit sind häufig beobachtet. Darüber hinaus können Aufmerksamkeitsprobleme, Hyperaktivität, selbstverletzendes, aggressives oder autistisches Verhalten auftreten.

Rubinstein-Taybi Syndrome – was ist über die Entstehung bekannt?

Das Rubinstein-Taybi Syndrom beruht auf Mutationen, also genetischen Veränderungen des CREBBP– oder des EP300-Gens. Diese Gene kodieren für das CREB-bindende-Protein bzw. das EP300-Protein, welche beide notwendig sind für das Ablesen und Vervielfältigen der DNA, also des Erbgutes, in unserem Körper.

Liegt nun das CREBBP– oder das EP300-Gen in einer veränderten Form vor, werden auch die entsprechenden Proteine nicht korrekt hergestellt und sie können ihre eigentliche Funktion nicht mehr erfüllen. Dies kann zu einer fehlerhaften Entwicklung verschiedener Strukturen in unserem Körper führen.

Das Rubinstein-Taybi-Syndrom kommt bei etwa einem von 100.000 bis 125.000 Menschen vor und kann von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden. Der Erbgang ist dabei autosomal-dominant. In der Regel liegen jedoch Spontan- oder Neumutationen, man nennt das de novo Mutationen, vor.

Gibt es eine Therapie?

Im Hinblick auf die Vielzahl möglicher Manifestationen sollte die Therapie stets symptom-orientiert und in Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen erfolgen.

Diagnose Rubinstein-Taybi Syndrome. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose wenden Sie sich bitte unbedingt an eine:n Spezialist:in für dieses Krebsprädispositionssyndrom. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem geben wir Ihnen ein paar Tipps, was Sie selber tun können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit an uns oder Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.

Diagnose Rubinstein-Taybi Syndrome. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose wenden Sie sich bitte unbedingt an einen Spezialisten bzw. eine Spezialistin für dieses Krebsprädispositionssyndrom. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem geben wir Ihnen ein paar Tipps, was Sie selber tun können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit an uns oder Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.

Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

Folgende Untersuchungen sollten bei Patient:innen mit Rubinstein-Taybi-Syndrom im Sinne einer Früherkennung durchgeführt werden:

  • Engmaschige Kontrolle der Körpergröße, v.a. im ersten Lebensjahr
  • Jährliche augenärztliche Untersuchung
  • Jährliche HNO-ärztliche Untersuchung, häufiger bei vorausgegangenen wiederholten Mittelohrentzündungen
  • Regelmäßige Untersuchung im Hinblick auf Veränderungen an Herz oder Nieren
  • Regelmäßige zahnärztliche Untersuchung

Bei Auffälligkeiten sollten ggf. weitere Untersuchungen und die Überweisung an Spezialist:innen erfolgen.

Das Bewusstsein für ein moderat erhöhtes Krebsrisiko sollte bei den Patient:innen geschaffen werden. Eine gezielte Krebs-Früherkennung wird nicht empfohlen.

Rubinstein-Taybi Syndrome – was Sie selber tun können

Darauf sollten Sie achten

Sie sollten einen Arzt bzw. eine Ärztin aufsuchen, sobald Veränderungen des Sehens, der Haut, der Empfindung oder Motorik auftreten. Daneben sollten Bewegungseinschränkungen sowie Schmerzen an den Knochen oder Gelenken wahrgenommen und einem Arzt bzw. einer Ärztin berichtet werden. Auch bei weiteren neu auftretenden Auffälligkeiten oder Beschwerden wie Verhaltensauffälligkeiten sollten Sie einen Arzt bzw. eine Ärztin konsultieren.

Weitere Informationen

Weitere Fragen?

Wir sind für Sie per E-Mail und telefonisch erreichbar. Zudem können Sie persönlich in unsere Sprechstunden kommen. Weitere Informationen entnehmen Sie am besten unserer Kontaktseite.