"RUNX1 Deficiency" – was ist das?

Die RUNX1-Defizienz oder familial platelet disorder with associated myeloid malignancy (FPDMM) ist eine Erkrankung, die auf Mutationen, also genetischen Veränderungen im RUNX1-Gen beruht. Charakteristische Merkmale sind eine verminderte Menge an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und eine fehlerhafte Funktion von Blutplättchen (Thrombozytopathie), die mit vermehrten, schlecht stillbaren Blutungen einhergehen. Daneben besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung bösartiger Neubildungen des blutbildenden Systems (hämatologische Neoplasien) wie eines myelodysplastischen Syndroms (MDS), einer akuten myeloischen Leukämie (AML) oder akuten T-Zell-Leukämie (T-ALL). Der Grad der klinischen Ausprägung ist sehr variabel.

Übersicht der Kapitel auf dieser Seite:

  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • RUNX1 Deficiency – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbst­hilfe­gruppen) und weitere Informationen
  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • RUNX1 Deficiency – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbsthilfegruppen) und weitere Informationen

Wie wird die Diagnose "RUNX1 Deficiency" gestellt?

Verdachtsdiagnose

Bei Patient:innen, die eine andauernde Thrombozytopenie oder eine Thrombozytenfunktionsstörung haben, für die keine andere Ursache gefunden werden konnte, besteht der Verdacht auf das Vorliegen einer Mutation im RUNX1-Gen. Darüber hinaus können Blutungen, Thrompozytopenien, Thrompozytopathien oder hämatologische Neoplasien, die bei Familienmitgliedern bekannt sind, hinweisend sein. Dabei muss aber bedacht werden, dass die Symptome bei einer RUNX1-Mutation selbst innerhalb einer Familie stark variieren können: Während beispielsweise eine Person als einziges Symptom häufiges Nasenbluten vorweist, entwickelt sich bei einer anderen Person in der gleichen Familie eine AML.

Genetische Diagnostik

Die Diagnose „RUNX1-Defizienz“ wird durch den Nachweis einer Mutation, also einer genetischen Veränderung im RUNX1-Gen gesichert.

Wie hoch ist das Krebsrisiko?

Bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems

Das Risiko für die Entwicklung einer bösartigen hämatologischen Neoplasie (ein MDS oder eine AML) liegt bei 30-40%. Daneben kann es auch zur Entwicklung einer T-ALL kommen.

Das durchschnittliche Alter beim Auftreten eines MDS bzw. einer AML liegt bei 33 Jahren, allerdings mit einer großen Altersspanne. Eine T-ALL im Rahmen einer RUNX1-Mutation tritt in der Regel früher auf.

Thrombozytopenie und Thrombozytopathie

Bei einer milden bis moderaten Thrombozytopenie sind auch niedrig-normale bis normale Thrombozytenzahlen möglich. Die Ausprägung der aus Thrombozytopenie und Thrombozytenfunktionsdefekt resultierenden Blutung ist sehr variabel.

RUNX1 Deficiency – was ist über die Entstehung bekannt?

Die RUNX1-Defizienz beruht auf einer Mutation, also einer genetischen Veränderung des RUNX1-Gens. Dieses Gen kodiert für den sogenannten Transkriptionsfaktor RUNX1, der in der Entwicklung von Blutzellen eine wichtige Rolle spielt. Liegt nun das RUNX1-Gen in einer veränderten Form vor, kann auch der Transkriptionsfaktor nicht mehr korrekt funktionieren und es kommt zur Entstehung hämatologischer Neoplasien.
Die RUNX1-Defizienz kann von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden. Der Erbgang ist dabei autosomal-dominant.

Gibt es eine Therapie?

Die Therapie eines MDS oder einer AML bei Patient:innen mit einer RUNX1-Mutation sollte eingehend mit den entsprechenden Studienzentralen diskutiert werden.
Bei einer geplanten Stammzell-Transplantation mit einem Geschwisterkind als Spender, sollte bei diesem zuvor eine RUNX1-Mutationsanalyse durchgeführt werden, um auszuschließen, dass es ein bisher unbekannter Träger des gleichen genetischen Syndroms ist.

Diagnose RUNX1 Deficiency. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose wenden Sie sich bitte unbedingt an einen Spezialisten bzw. eine Spezialistin für dieses Krebsprädispositionssyndrom. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem geben wir Ihnen ein paar Tipps, was Sie selber tun können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit an uns oder Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.

Diagnose RUNX1 Deficiency. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose wenden Sie sich bitte unbedingt an eine:n Spezialist:in für dieses Krebsprädispositionssyndrom. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem geben wir Ihnen ein paar Tipps, was Sie selber tun können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit an uns oder Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.

Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

FPDMM-Patient:innen sollten an ein Zentrum angebunden werden, an denen sie adäquat hämato-onkologisch betreut und genetisch beraten werden können.

Folgendes sollten die Früherkennungsmaßnahmen beinhalten

  • Regelmäßige klinische Untersuchungen (mindestens jährlich, bei höherem Risiko für MDS/AML alle 3-6 Monate)
  • Differentialblutbild (zunächst alle 3-4 Monate, bei stabilen Befunden ausdehnbar auf alle 6-12 Monate, bei Auffälligkeiten alle 2-4 Wochen)
  • Knochenmarkpunktion, um frühe Zeichen einer sich entwickelnden hämatologischen Neoplasie zu detektieren (jährlich, bei Auffälligkeiten im Blutbild in höherer Frequenz)
  • FPDMM-Patient:innen, ihre Familien und ihre behandelnden Ärzt:innen sollten mit suspekten klinischen Symptomen, die auf die Entwicklung einer Leukämie hindeuten, vertraut sein.
  • In der Familie auftretende Neubildungen, Veränderungen im Blutbild und Blutungen sollten registriert, dokumentiert und regelmäßig aktualisiert werden.

RUNX1 Deficiency – was Sie selber tun können

Darauf sollten Sie achten

Sie sollten einen  Arzt bzw. eine Ärztin aufsuchen, sobald vermehrte oder schlecht stillbare Blutungen (z.B. lange andauerndes oder häufiges Nasenbluten) oder vermehrte blaue Flecken auffallen. Daneben sollten Sie bei Abgeschlagenheit oder einem Krankheitsgefühl, Fieber, Nachtschweiß, Blässe, häufigen Infektionen oder Schwellungen der Lymphknoten dringend bei einem Arzt bzw. einer Ärztin vorstellig werden. Kommt es zu weiteren neu auftretenden Auffälligkeiten oder Beschwerden, sollten diese ebenfalls möglichst rasch abgeklärt werden.

Weitere Informationen

Leider gibt es bislang keine uns bekannten Selbsthilfegruppen für Patient:innen mit RUNX1-Defizienz. Sobald uns neue Informationen zur Verfügung stehen, werden wir diese hier ergänzen. Patient:innen können sich jedoch jederzeit für das KPS-Register anmelden oder dies durch die betreuenden Ärzt:innen vornehmen lassen.

Weitere Fragen?

Wir sind für Sie per E-Mail und telefonisch erreichbar. Zudem können Sie persönlich in unsere Sprechstunden kommen. Weitere Informationen entnehmen Sie am besten unserer Kontaktseite.