"Tyrosinämie Typ 1" – was ist das?

Die Tyrosinämie Typ I ist eine Stoffwechselerkrankung, die auf Mutationen, also genetischen Veränderungen im FAH-Gen beruht. Unbehandelt führt sie meist innerhalb des ersten Lebensjahres zu akutem Leberversagen, einer eingeschränkten Funktion der Niere mit Wachstumsstörungen und Rachitis (eine Erkrankung des wachsenden Knochens, die durch Vitamin-D-Mangel verursacht wird) sowie neurologischen Krisen. Ohne adäquate Behandlung verläuft die Erkrankung innerhalb der ersten zehn Lebensjahre tödlich. Durch die Therapie mit Nitisinon und der Einhaltung einer Tyrosin-armen Diät liegt die Überlebensrate jedoch bei über 90%.

Übersicht der Kapitel auf dieser Seite:

  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • Tyrosinämie Typ 1 – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbst­hilfe­gruppen) und weitere Informationen
  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • Tyrosinämie Typ 1 – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbsthilfegruppen) und weitere Informationen

Wie wird die Diagnose "Tyrosinämie Typ 1" gestellt?

Verdachtsdiagnose

Der Verdacht auf eine Tyrosinämie Typ I besteht bei dem Vorliegen folgender Befunde:

  • Erhöhte Tyrosinspiegel im Neugeborenenscreening
  • Schwere Lebererkrankung im jungen Säuglingsalter
  • Zeichen einer Nierenerkrankung, Rachitis und/oder neurologische Krisen bei Kindern >6 Monate

Laborchemische Diagnostik

  • Erhöhte Konzentrationen bestimmter Stoffwechselprodukte im Blut und Urin
  • Gestörte Gerinnungswerte als Zeichen einer Leberfunktionsstörung bei unbehandelter Tyrosinämie Typ I

Genetische Diagnostik

Die Diagnose „Tyrosinämie Typ I“ gilt als gesichert bei einer nachgewiesenen Mutation, also bei einer genetischen Veränderung im FAH-Gen.

Wie hoch ist das Krebsrisiko?

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Patient:innen, die frühzeitig und adäquat behandelt wurden, und Patient:innen, die keine Therapie erhalten haben.

Kinder mit einer unbehandelten Tyrosinämie Typ I haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom). Bei adäquat behandelten Kindern (d.h. Kinder, bei denen vor dem 2. Lebensjahr mit einer Nitisinon-Therapie begonnen wurde) liegt das Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom bei < 5% bis zum Alter von 10 Jahren.

Neben dem erhöhten Krebsrisiko können sich im Rahmen einer Tyrosinämie Typ I weitere klinische Manifestationen zeigen. Auch hier sollte zwischen behandelter und unbehandelter Erkrankung unterschieden werden.

Unbehandelte Tyrosinämie Typ I

Kinder mit einer Tyrosinämie Typ I, die nicht im Neugeborenenscreening detektiert wurden, fallen in der Regel im frühen Säuglingsalter durch eine schwere Leberbeteiligung oder später im ersten Lebensjahr durch eine Leberfunktionsstörung, Nierenbeteiligung, Wachstumsstörung und Rachitis auf. Unbehandelt führt die Tyrosinämie Typ I innerhalb der ersten zehn Lebensjahre zum Tod.

  • Leberbeteiligung:
    Nicht diagnostiziert und unbehandelt führt die Tyrosinämie Typ I typischerweise zu einem akuten Leberversagen innerhalb der ersten 6 Lebensmonate. Dabei können zu Beginn keine Gerinnungsfaktoren mehr von der Leber hergestellt werden, so dass es klinisch zu einer Blutgerinnungsstörung mit vermehrten oder verlängerten Blutungen kommen kann. Weitere Leberwerte (Transaminasen und Bilirubin) sind meist nur leicht erhöht, was eine ungewöhnliche Konstellation darstellt, die wiederum die Tyrosinämie Typ I von anderen schweren Lebererkrankungen unterscheidet.
  • Nierenbeteiligung:
    Eine Nierenbeteiligung zeigt sich bei unbehandelten Kindern meist erst nach dem 6. Lebensmonat in Form einer eingeschränkten Funktion der Nierenkanälchen. Diese führt zu einer erhöhten Ausscheidung von Aminosäuren und einem Phosphatverlust, welcher die Ursache für eine Rachitis sein kann, sowie einer fehlerhaften Säureausscheidung über die Nieren.
  • Neurologische Krisen:
    Bei unbehandelten Kindern können wiederholt neurologische Krisen auftreten. Diese äußern sich mit Symptomen wie Verhaltensänderungen, Bauchschmerzen, Schädigung der peripheren Nerven und Störungen der Atmung bis hin zur Beatmungspflichtigkeit.

Behandelte Tyrosinämie Typ I

Die Kombination aus Nitisinon-Therapie und Tyrosin-reduzierter Diät führt zu einer Überlebensrate von >90%, normalem Wachstum, einer verbesserten Leberfunktion, Prävention einer Leberzirrhose, verbesserten Nierenfunktion und Verhinderung einer Rachitis.

  • Neurologische Krisen:
    Diese wurden nur bei Patient:innen mit längerer Therapieunterbrechung beobachtet.
  • Leberbeteiligung:
    Ein akutes Leberversagen verbessert sich meist innerhalb der ersten Woche nach begonnener Nitisinon-Therapie.

Tyrosinämie Typ 1 – was ist über die Entstehung bekannt?

Die Tyrosinämie Typ I beruht auf Mutationen, also genetischen Veränderungen des FAH-Gens. Dieses Gen kodiert für das FAH-Protein, welches notwendig ist für den letzten Schritt des Abbaus der Aminosäure Tyrosin.

Liegt nun das FAH-Gen in einer veränderten Form vor, wird auch das FAH-Protein nicht korrekt hergestellt und kann seine eigentliche Funktion nicht mehr erfüllen. Es kommt daraufhin zu einem fehlerhaften Abbau von Tyrosin, wodurch sich verschiedene Stoffwechselprodukte ansammeln. Dies führt zur Schädigung von Leber, Nieren und Nerven.

Die Tyrosinämie Typ I kommt bei etwa einem von 100.000-120.000 Menschen vor. In Skandinavien, Finnland sowie Québec (Kanada) tritt sie deutlich häufiger auf. Sie kann von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden, wobei der Erbgang autosomal-rezessiv ist.

Gibt es eine Therapie?

Eine Nitisinon-Therapie sollte unmittelbar nach Diagnosestellung begonnen werden. Daneben ist die Einhaltung einer Tyrosin-armen Diät ebenfalls ab Diagnosestellung erforderlich.

Bei fehlendem Therapieansprechen auf Nitisinon oder bösartigen Veränderungen der Leber kann eine Lebertransplantation in Erwägung gezogen werden.

Diagnose Tyrosinämie Typ 1. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose wenden Sie sich bitte unbedingt an einen Spezialisten für dieses Krebsprädispositionssyndrom. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem geben wir Ihnen ein paar Tipps, was Sie selber tun können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit an uns oder Ihren behandelnden Arzt.

Diagnose Tyrosinämie Typ 1. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose wenden Sie sich bitte unbedingt an einen Spezialisten bzw. eine Spezialistin für dieses Krebsprädispositionssyndrom. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem geben wir Ihnen ein paar Tipps, was Sie selber tun können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit an uns oder Ihren behandelnden Arzt bzw. Ihre behandelnde Ärztin.

Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

Aufgrund des erhöhten Risikos für ein hepatozelluläres Karzinom sollten folgende Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt werden:

  • Monatliche Bestimmung von AFP (alpha-Fetoprotein) für die ersten 6 Lebensmonate
  • Nach dem 6. Lebensmonat Bestimmung von AFP alle 6 Monate
  • Als Basisdiagnostik kann eine Ultraschalluntersuchung oder MRT der Leber erwogen werden.

Tyrosinämie Typ 1 – was Sie selber tun können

Darauf sollten Sie achten

Besonders wichtig bei Patient:innen mit einer Tyrosinämie Typ I ist die unterbrechungsfreie Nitisinon-Therapie sowie die konsequente Einhaltung einer Tyrosin-armen Diät.

Sie sollten einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, sobald vermehrte oder verlängerte Blutungen auftreten, vermehrte Schläfrigkeit oder eine Trinkschwäche. Aber auch unspezifische Symptome wie Bauchschmerzen sollten wahrgenommen und einem Arzt bzw. einer Ärztin berichtet werden. Auch bei weiteren neu auftretenden Auffälligkeiten oder Beschwerden sollten Sie einen Arzt bzw. eine Ärztin aufsuchen.

Weitere Informationen

Weitere Fragen?

Wir sind für Sie per E-Mail und telefonisch erreichbar. Zudem können Sie persönlich in unsere Sprechstunden kommen. Weitere Informationen entnehmen Sie am besten unserer Kontaktseite.