"POLE-Mutation" – was ist das?

Die POLE-Mutation beschreibt eine genetische Veränderung im POLE-Gen. POLE-Mutationsträger und POLE-Mutationsträgerinnen haben ein erhöhtes Risiko mehrere Dickdarmpolypen, Dickdarmkrebs, Gebärmutterschleimhautkrebs und möglicherweise andere Krebsarten zu entwickeln. In vereinzelten Fällen ist die POLE-Mutation ursächlich für das FILS-Syndrom sowie das IMAGE-Syndrom.

Übersicht der Kapitel auf dieser Seite:

  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • POLE-Mutation – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbst­hilfe­gruppen) und weitere Informationen
  • Wie hoch ist das Krebsrisiko?

  • Was ist über die Entstehung bekannt?

  • Gibt es eine Therapie?

  • Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

  • POLE-Mutation – was Sie selber tun können
  • Links (z.B. von Selbsthilfegruppen) und weitere Informationen

Wie wird die Diagnose "POLE-Mutation" gestellt?

Die Diagnose wird durch Experten und Expertinnen anhand eines genetischen Tests auf eine erbliche Veränderung (pathogene Variante) des POLE-Gens gestellt. Im Falle einer Häufung an POLE-assoziierten Tumoren innerhalb der Familie, ist ein genetischer Test auf eine POLE-Mutation empfehlenswert. Außerdem sollte Familienmitgliedern, die Trägerinnen und Träger der pathogenen POLE-Variante sind, ebenfalls ein genetischer Test aufgrund der Krebsgefahr empfohlen werden.

Klinische Präsentation

In einigen Studien sah man, dass die POLE-Mutation verantwortlich für das FILS-Syndrom ist. Dieses Syndrom äußert sich in speziellen Gesichtsmerkmalen, Immunschwäche, rötlich-bläulichen Hautzeichnungen und kurzer Statur.
Einer Studie nach tritt außerdem bei vereinzelten Trägerinnen und Trägern der pathogenen POLE-Variante das IMAGE-Syndrom auf, welches durch vorgeburtliche Wachstumsverzögerung, Skelettfehlbildungen mit verkürzten Gliedmaßen, angeborener Nebennierenunterentwicklung und Genitalanomalien gekennzeichnet ist.

Wie hoch ist das Krebsrisiko?

POLEPatientinnen und -Patienten haben ein erhöhtes Risiko für eine Vielzahl an unterschiedlichen Krebsarten:

Dickdarmkrebs

Personen mit pathogenen POLE-Varianten haben ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs. Die Erkrankung namens „Dickdarmkrebs-12“ ist durch eine Veranlagung zur Entwicklung von kolorektalen Geschwulsten (Adenomen) und bösartigen Tumoren (Karzinomen) gekennzeichnet. Diese Personen können sich mit wenigen bis zahlreichen Schleimhautausstülpungen des Darms (Polypen) präsentieren. Das POLE-Gen ist bei 5,83% der Adenokarzinome des Dickdarmes mutiert.

Gebärmutterschleimhaut- und Eierstockkrebs

Es wird angenommen, dass 7–12 % der Patientinnen mit Gebärmutterschleimhautkrebs Trägerinnen einer pathogenen POLE-Variante sind.
Studienergebnissen zufolge geht man davon aus, dass die POLE-Mutation außerdem ursächlich für einen bestimmten Subtypen des Eierstockkrebses sein könnte (endometrioides Adenokarzinoms am Ovar).

Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC)

Die POLE-Mutation ist außerdem verantwortlich für einen Subtypen des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses.
Andere Krebserkrankungen, welche wahrscheinlich zum POLE-Spektrum gehören, müssen jedoch noch weiter erforscht werden:

  • Bösartiger solider Tumor
  • Tumor der ableitenden Harnwege
  • Hautkrebs (Basalzellkarzinom)
  • Speicheldrüsenkrebs
  • Plattenepithelkarzinom des Penis
  • Blasenkarzinom
  • Kopf- und Nackenkarzinom
  • Magenkarzinom
  • Non-Hodgkin-Lymphom
  • Nicht-klarzelliges Nierenzellkarzinom
  • Seröses Adenokarzinom der Gebärmutterschleimhaut
  • Diffuses großes B-Zell-Lymphom
  • Lymphom
  • Reifes T-Zell- und NK-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom
  • Eileiterkrebs
  • B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom
  • Mantelzell-Lymphom

POLE-Mutation – was ist über die Entstehung bekannt?

Die POLE-Mutation entsteht durch eine erbliche Veränderung in dem POLE-Gen, das für ein Protein zuständig ist, welches als Vervielfältiger (Replikator) unseres Erbguts fungiert und unkontrolliertes Zellwachstum verhindert. Durch die pathogene Variante fällt diese Funktion weg und es kommt zum unkontrollierten Zellwachstum, also zum Tumor.
Die Vererbung der POLE-Mutationsanlagen erfolgt „autosomal-dominant“, das bedeutet, dass bei Eltern, welche Trägerinnen oder Träger der pathogenen Varianten sind, das Risiko besteht, dass jedes 2. Kind erkrankt.

Gibt es eine Therapie?

Die Behandlung der Betroffenen mit der POLE-Mutation sollte interdisziplinär durch ein multiprofessionelles Team erfolgen. Die Krebserkrankungen bei Trägerinnen und Trägern der pathogenen POLE-Variante werden prinzipiell ähnlich wie bei Nicht-Trägerinnen und -Trägern behandelt.
Studien zeigen, dass das Vorliegen der POLE-Mutation eine bessere Prognose zu ergeben scheint und daher Behandlungsentscheidungen direkt beeinflussen könnte. Für Krebsarten, die mit einer pathogenen POLE-Variante in Zusammenhang stehen, werden derzeit vielversprechende Immuntherapien erforscht. Besonders wichtig sind zudem die unten aufgeführten, von Expertinnen und Experten empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen, um Tumore frühzeitig zu erkennen und erfolgreich behandeln zu können.

Diagnose POLE-Mutation. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose wenden Sie sich bitte unbedingt an einen Spezialisten bzw. eine Spezialistin für dieses Krebsprädispositionssyndrom. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem geben wir Ihnen ein paar Tipps, was Sie selber tun können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit an uns oder Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.

Diagnose POLE-Mutation. Wie geht es weiter?

Nach der Diagnose wenden Sie sich bitte unbedingt an einen Spezialisten bzw. eine Spezialistin für dieses Krebsprädispositionssyndrom. Im folgenden Abschnitt schildern wir Ihnen, ob Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung oder andere Maßnahmen erforderlich sind und wie diese erfolgen sollten. Zudem geben wir Ihnen ein paar Tipps, was Sie selber tun können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit an uns oder Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.

Medizinische Maßnahmen zur Früherkennung

Es bedarf weiterer Forschung zu den unterschiedlichen Erscheinungsformen bei Trägerinnen und Trägern von POLE-Mutationen, um standardisierte Empfehlungen für die Überwachung entwickeln zu können.

Es bedarf weiterer Forschung zu den unterschiedlichen Erscheinungsformen bei Trägerinnen und Trägern von pathogenenen POLE-Varianten, um standardisierte Empfehlungen für die Überwachung entwickeln zu können.

Nach den HNPCC-Empfehlungen und den neuesten Guidelines der AACR (American Association of Cancer Research) werden folgende Früherkennungsuntersuchungen empfohlen:

  • Darmspieglung ab 14 Jahren alle 2 Jahre: bei unauffälligem Befund, dann ab dem 20. Lebensjahr jährlich
  • Jährliche Ultraschall-Untersuchung des Bauchraums
  • Jährliche körperliche Untersuchung
  • Magenspieglung  ab 25 Jahren alle 3 Jahre. Bei Nachweis von Adenomen mind. jährliche Kontrolle
  • Für Frauen: Gebärmutterschleimhautkrebsscreening (transvaginaler Ultraschall und Gebärmutterschleimhautbiopsie) ab 35-40 Jahren für POLD1-Trägerinnen

Da das Krankheitsbild erst seit kurzem bekannt und deshalb noch nicht abschließend erforscht ist, handelt es sich um vorläufige Empfehlungen, die sich in den kommenden Jahren ändern können.

POLE-Mutation – was Sie selber tun können

Darauf sollten Sie achten

Menschen mit POLE-Mutationen sollten:

  1. Bekannte Karzinogene einschließlich Tabakkonsum, berufliche Exposition und übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden.
  2. Die Exposition gegenüber diagnostischer und therapeutischer Strahlung minimieren.

Bitte wenden Sie sich bei neu auftretenden Symptomen zeitnah an Ihren behandelnden Arzt bzw. Ihre behandelnde Ärztin. Dies gilt insbesondere bei Blut im Stuhl, neu aufgetretenen Schmerzen oder wenn Sie eine körperliche Veränderung bemerken und deren Bedeutung nicht sicher einschätzen können. Die Schwelle zur Kontaktaufnahme sollte dabei möglichst gering sein!

Weitere Informationen

Leider gibt es bislang keine uns bekannten Selbsthilfegruppen für Betroffene mit der pathogenen POLE-Variante. Sobald uns neue Informationen zur Verfügung stehen, werden wir diese hier ergänzen. Patientinnen und Patienten können sich außerdem jederzeit für das KPS-Register anmelden oder dies durch die betreuenden Ärztinnen und Ärzte vornehmen lassen.

Weitere Fragen?

Wir sind für Sie per E-Mail und telefonisch erreichbar. Zudem können Sie persönlich in unsere Sprechstunden kommen. Weitere Informationen entnehmen Sie am besten unserer Kontaktseite.